Streitgespräch: Wir gestalten gemeinsam Medizin

Was es heißt, gemeinsam Medizin zu gestalten? Berliner und Hallenser Diskutanten im Streitgespräch auf dem EVV Campus Pflege.

Wir gestalten gemeinsam Medizin – Arzt und Pflege. Doch was heißt das genau? Wie sollte die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegefachkräften zukünftig aussehen, um noch mehr auf das Wohl der Patienten einzahlen zu können? Auf dem EVV Pflege Campus durfte es auch kontrovers zugehen. Berlin gegen Halle hießen die beiden Lager und auf der Bühne ging es heiß her.

 

Am Ende sind die Positionen nicht weit auseinander. vlnr: Tino Hortig (Berlin), Rainer Karius (Berlin), Reinhard Feuersträter (Halle / Moderation), Thomas Wüstner (Halle), Dr. Liedtke (Halle)

Das höchste Ziel ist eine bestmögliche Patientenversorgung! An dieser Stelle waren sich noch alle Beteiligten einig. Doch dann spalteten sich die Lager. Dr. Hendrik Liedtke, der ärztliche Direktor des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara Halle, sprach sich für den Weg der vertikalen Strukturen und für die berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit auf Augenhöhe aus. Egal ob Geschäftsführer oder Auszubildender – um dem Patientenwohl wirklich gerecht zu werden, braucht es im Krankenhaus keine Hierarchien mehr. Herr Wüstner (Krankenhausgeschäftsführer St. Elisabeth und St. Barbara) unterstrich diese Perspektive und ergänzte, dass ein Problem unabhängig der Berufsgruppe zu lösen sei. Ob Arzt, Pflege oder Verwaltung, die kompetenteste Person im Team sollte entscheiden dürfen.

Herr Hortig, der Pflegedirektor der beiden Berliner Krankenhäuser (St. Joseph Krankenhaus und Franziskus-Krankenhaus) und Herr Karius (Schulleiter und Geschäftsführer der Schule für Gesundheitsberufe Berlin GmbH am SJK Berlin Tempelhof) konnten dieser Sichtweise nicht zustimmen: Die Pflege sei eine eigenständige Profession und trage mit ihrer Vielzahl an Fachkompetenzen zum Wohl der Patienten bei – aber es sei nicht Aufgabe der Pflege, die Medizin zu gestalten. Bei der Medizin handele es sich um eine ärztliche Kunst. Nur das Ineinandergreifen der unterschiedlichen Professionen stelle eine adäquate Patientenversorgung sicher, bei klar definierten Kompetenzen.

Kann man also die Professionen Pflege und Ärzte unter dem zusammen Begriff Medizin bringen?

Nach einem regen Austausch brauchte es am Ende das Publikum, um einen Konsens zu finden. Denn das Publikum stellte eine ganz wichtige Gegenfrage. Warum müssen wir überhaupt darüber streiten, wer Medizin macht und wer nicht? Warum wird der Fokus nicht darauf gelegt, dass eine gemeinsame Gesundheitsversorgung geschaffen wird? Denn am Ende beinhaltet eine vollumfängliche Gesundheitsversorgung sowohl Medizin, Ärzteschaft, Pflege und viele weitere Professionen und diese scheitert in vielen Fällen daran, dass Hierarchien über Fachkompetenzen stehen. Vielleicht ist ein Weiterdenken in diese Richtung der richtige Schlüssel, um noch besser auf Patienten eingehen zu können. Die Pflege hat auf jeden Fall die Chance, noch lauter zu werden, ihre Meinung abzugehen und einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung 2.0 zu leisten.

Das Streitgespräch wurde beobachtet von Julia Raderecht, Unternehmenskommunikation St. Joseph Krankenhaus